Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Freitag, 10.07.2026

Textilbetrieb ZEGO muss Produktion für sechs Wochen stoppen

Das ZEGO Textilveredelungszentrum, eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Laut einer Bekanntmachung vom Mittwoch hat das Amtsgericht Aschaffenburg den Rechtsanwalt Maximilian Maierhofer von der Kanzlei Ohly Zöller zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das Unternehmen will trotzdem für seinen Fortbestand kämpfen. Wer aktuell die Firmenwebsite aufruft, landet direkt auf einem Schreiben von ZEGO-Geschäftsführer Johannes Zenglein, in dem er über die Gründe für den Insolvenzantrag informiert und darüber, wie es weitergehen soll. Demnach hat ein Cyberangriff Ende März das Unternehmen stark getroffen. Trotz größter Anstrengungen hätten die Folgen nicht vollständig kompensiert werden können. Nach Anruf der F.A.Z. auf der zentralen Rufnummer des Unternehmens bestätigte eine Mitarbeiterin den Zusammenhang am Mittwochnachmittag knapp und verwies auf die schriftliche Information der Geschäftsführung. Der Cyberangriff führte laut dem Schreiben zu einem fast sechs Wochen dauernden Ausfall der Produktion und zu erheblichen wirtschaftlichen Belastungen. Das habe die finanzielle Situation des Unternehmens stark beeinträchtigt und einen Insolvenzantrag erforderlich gemacht. „Dieser Schritt schmerzt uns sehr“, schreibt Zenglein. Eine Insolvenz bedeute jedoch nicht zwangsläufig das Ende eines Unternehmens.

Er sieht in dem Insolvenzverfahren eine Möglichkeit, das Unternehmen zu restrukturieren, neu aufzustellen und wirtschaftlich zu stabilisieren. Ziel sei es, Arbeitsplätze zu erhalten, Kundenbeziehungen fortzuführen und die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Das im Jahre 1990 gegründete Unternehmen beschäftigt 60 Mitarbeiter und betreibt laut Firmenwebsite eine eigene Stickerei, Näherei und Druckerei in seinem Werk in Aschaffenburg. ZEGO hat sich auf die Veredelung von Arbeitskleidung spezialisiert und kümmert sich auch um die Lagerung und Logistik rund um die Textilien. Als Referenzen nennt ZEGO namhafte Markenhersteller wie Hakro, Jako, Seidensticker oder Olymp. Hackerattacken auf mittelständische Unternehmen sind zu einer großen Gefahr geworden. Der Cyberangriff auf ZEGO ist nicht der erste, der zu einer Insolvenz eines Mittelständlers führt. Ähnlich erging es schon dem Serviettenhersteller Fasana aus Euskirchen. Typische Cyberangriffe laufen so ab, dass Kriminelle die Computersysteme eines Unternehmens blockieren und erst nach Zahlung eines hohen Lösegelds wieder freigeben. Die betroffenen Unternehmen sind während dieser Zeit handlungsunfähig. Sie können ihre Produktion nicht mehr am Laufen erhalten und ihre Kunden nicht mehr bedienen.